{"id":62,"date":"2011-05-17T14:11:00","date_gmt":"2011-05-17T14:11:00","guid":{"rendered":"https:\/\/strauchcomposer.de\/?p=62"},"modified":"2022-02-01T15:07:37","modified_gmt":"2022-02-01T15:07:37","slug":"konzert-der-kompositionsklasse-jan-mueller-wieland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/strauchcomposer.de\/index.php\/2011\/05\/17\/konzert-der-kompositionsklasse-jan-mueller-wieland\/","title":{"rendered":"Konzert der Kompositionsklasse Jan M\u00fcller-Wieland"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Komponisten-Nachwuchs zeigt sich<\/p>\n\n\n\n<p>Sommersemester 2011, Konzert der&nbsp;Kompositionsklasse von Prof. Jan M\u00fcller-Wieland an der M\u00fcnchener Musikhochschule:<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Musikhochschule ist ein&nbsp;merkw\u00fcrdiges Objekt: talentierte, junge Menschen, bewegen sich in einem Schutzraum. Hier erfahren sie das Unterrichten und Konzertieren. Wird der Kokon gel\u00fcftet, kommt es zum Ernstfall \u201eKonzert\u201c, stehen die jungen Menschen voll im Rampenlicht. Die zweite Seltsamkeit: Trotz all des Tonsatzes und musikp\u00e4dagogischer Diplomarbeiten, liegt der Schwerpunkt im Praktischen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vertrackt wird es, wenn&nbsp;Kompositionsklassen ein Konzert geben. Die Studierenden dieses Faches sind selbst Musiker. Dennoch sind sie auf Instrumentalkommilotonen angewiesen, um das neu Erprobte zu h\u00f6ren, es sich nicht allein im stillen K\u00e4mmerlein per Computer oder Klavierspiel vorzuspielen. Behilft sich ein Instrumentalist mal phasenweise mit Viel\u00fcberei, bringt Vielschreiberei nichts dem Komponisten. Er mu\u00df lernen, Ideensuche, deren Verwerfen und weite Strecken von Gedankenleere intellektueller Prozesse zu ertragen, bis das eigentliche Schreiben startet. Kompositionslehrer verst\u00e4rken diese unangenehmen Seiten, die den Studierenden ganz auf sich selbst zur\u00fcckwerfen, zur Befruchtung der k\u00fcnstlerischen Reife. So gleicht ein Kompositionsstudium einer Philosophenschule, weniger im Sinne einer zu akademischen Graden zielf\u00fchrenden Universit\u00e4t, sondern dem eingangs beschriebenen Schutzraum.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Abendeindruck: mancher&nbsp;m\u00e4nnliche Student der Jan-M\u00fcller-Wieland-Kompositionsklasse sprach von intellektuellen H\u00f6henfl\u00fcgen, dennoch wurde das Rad nicht schon wieder neu erfunden, wie es angeblich t\u00e4glich in der Neuen Musik der Fall ist. Zweitens: durch die Bank sind die Tonh\u00f6henverl\u00e4ufe fast wieder tonal, werden nicht verkrampft neue Harmonien gesucht, sondern das vorgefundene Material der letzten hundert Jahre forsch angewandt. Die expressionistischen Eingangs- und Finalst\u00fccke von Tobias Peschanel und Christian Dieck waren darin am extremsten. Peschanels Wolkensteinvertonung \u201eLied Nr. 3\u201c mit ihm selbst am Klavier und dem Bassbariton Thomas Stimmel spielte mit tonalen Akkorden, die durch Schl\u00e4ge ins Innere des Klaviers zwischen Ger\u00e4usch und Verklingen nachhallten. Es begann langsam, verfl\u00fcchtigte sich dann ein wenig in Textabspulen, dem eine versch\u00e4rfte Akkordik h\u00e4tte entgegenwirken k\u00f6nnen. Am Ende sang Stimmel in den Resonanzraum des Fl\u00fcgels, als ob er im Maul eines Krokodils die Zahnreihen kraulte. Diecks The Day will come mit den sch\u00f6nen Zitherschwestern Kos war das harmonisch beeindruckendste, freieste Werk, gr\u00fcbelte leider darin formal vor sich hin. Wenn er darin noch Kontur finden wird, kann man noch viel von ihm erwarten!<\/p>\n\n\n\n<p>Arash Safaian verlor zuviel Worte \u00fcber&nbsp;Monologe, warb unangenehm f\u00fcr seine neue CD. Umso sch\u00f6ner war daf\u00fcr sein virtuoses Akkordeonst\u00fcck \u201eAlpha\u201c, ausdrucksvoll von Stefanie Schumacher interpretiert. Man h\u00f6rte eine bachchoralartige Tonwelt, gespielt in impressionistisch pointillistischen Pixeln des tupfenden Akkordeonsatzes. Extra aus Paris holte Jan M\u00fcller-Wieland seinen dort ein Austauschsemester verbringenden bayerischen Lockenkopf Gregor Mayhofer. Auch selbst an Klavier und Laptop spielte er seine unpr\u00e4tenti\u00f6se \u201eEt\u00fcde f\u00fcr Klavier und Ringmodulator\u201c, ehemals ein Riesenger\u00e4t, heute eine Mini-PC-Applikation, die auf einfache Weise effektvoll den Fl\u00fcgelklang verfremdet. Kraftvoller Beginn und Ende reizten die Live-Elektronik voll aus. Trotz Programmwechseln trat das St\u00fcck in den langsamen Momenten ein auf der Stelle, klang es nach Strawinsky-Verehrung, die einem in Paris unterlaufen kann, wo dessen \u201eSacre du Printemps\u201c vor 98 Jahren uraufgef\u00fchrt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders imponierte Marina&nbsp;Schlagintweit, die ihre St\u00fccke mit jener jugendlichen Gelassenheit ansagte wie die deutsche Grand-Prix-d&#8217;Eurovision-Lena. Sie spielte selbst ihr Klavierst\u00fcck \u201eSleepless\u201c. Souver\u00e4ner und nachhaltig beeindruckend ihre sich von der Textvorlage emanzipierende \u201eFahrt \u00fcber die K\u00f6lner Rheinbr\u00fccke bei Nacht\u201c nach Ernst Stadler mit der formidablen S\u00e4ngerin Bettina Ullrich und drei Musikern unter dem Dirigat ihres Lehrers M\u00fcller-Wieland: Jazzgesang vers\u00f6hnt mit Klassik und Neuer Musik. Von ihr w\u00fcnscht man sich auf alle F\u00e4lle bald eine Oper!<\/p>\n\n\n\n<p>Alexander Strauch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Komponisten-Nachwuchs zeigt sich Sommersemester 2011, Konzert der&nbsp;Kompositionsklasse von Prof. Jan M\u00fcller-Wieland an der M\u00fcnchener Musikhochschule: Eine Musikhochschule ist ein&nbsp;merkw\u00fcrdiges Objekt: talentierte, junge Menschen, bewegen sich in einem Schutzraum. Hier erfahren sie das Unterrichten und Konzertieren. Wird der Kokon gel\u00fcftet, kommt es zum Ernstfall \u201eKonzert\u201c, stehen die jungen Menschen voll im Rampenlicht. 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