{"id":60,"date":"2011-05-15T14:09:00","date_gmt":"2011-05-15T14:09:00","guid":{"rendered":"https:\/\/strauchcomposer.de\/?p=60"},"modified":"2022-02-01T15:07:44","modified_gmt":"2022-02-01T15:07:44","slug":"senkblei-neue-musik-fuer-drei-zithern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/strauchcomposer.de\/index.php\/2011\/05\/15\/senkblei-neue-musik-fuer-drei-zithern\/","title":{"rendered":"Senkblei &#8211; Neue Musik f\u00fcr drei Zithern"},"content":{"rendered":"\n<p>Leopold Hurt aus Hamburg\/Regensburg, Reinhilde Gamper aus S\u00fcdtirol und Martin Mallaun aus St. Johann in Tirol als Zithertrio \u201eSenkblei \u2013 Neue Musik f\u00fcr drei Zithern\u201c in der Reihe mai.musik.messestadt im Kulturzentrum-Messestadt als Gastspiel von&nbsp;<a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20201129192107\/http:\/\/kunstbahnsteig.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">mittwochs im Giesinger Bahnhof<\/a><br><\/p>\n\n\n\n<p>Alle Wege f\u00fchren in M\u00fcnchen in die Innenstadt, der Personennahverkehr ist f\u00fcr seine Fixierung auf das Zentrum ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigt. Kein Wunder, wenn sich die Kulturtempel hier finden! Seit einigen Jahren w\u00e4chst allerdings in den Randbereichen Neues, von Pasinger Fabrik \u00fcber Kultfabrik bis zum Schwere Reiter. Einer der Umtriebigen in Sachen neuer und experimenteller Musik ist Karl Wallowsky. Er startete mit dem Kunstbahnsteig im alten Giesinger Bahnhof und eroberte mit seiner Reihe \u201emittwochs\u201c neue alternative Lokalit\u00e4ten vom Kulturhaus Milbertshofen bis zum Kulturpavillon am Romanplatz. Diesen Mai zog es ihn in das Kulturzentrum-Messestadt im Riem-Arcaden-Klotz zur mai.musik.messestadt.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Hat man sich mit der U-Bahn bis Messestadt West durchgeschlagen, sich in den Riem-Arcaden ein-, zweimal verlaufen, findet man hinter den dortigen Fresstempeln auf der R\u00fcckseite des Blocks den unscheinbaren Eingang, in dem es nach Fischsauce aus der benachbarten Fressbude riecht. Der Lift bringt einen in den dritten Stock. Typisch f\u00fcr ein Stadtteilkulturzentrum begegnen den Ankommenden Damen mit Isomatten aus der Yogastunde eilend. Ein Blick nach Osten durch das Panorama-Fenster oder ein Gang auf die Raucherterrasse ziehen das Auge unverhofft auf ein grandioses Alpenpanorama in der Maiabendsonne, passend zur erwarteten neuen Zithermusik. Endlich \u00f6ffnet der Saal seine T\u00fcren, es w\u00fcrden immerhin zweihundert Besucher darin Platz finden, ist in dem fensterlosen Raum, der immer noch nach \u201eneu\u201c riecht, Konzentration angesagt. Dass noch viel missionarischer Eifer gefragt sein wird, beweist die eingefleischte, kleine Besuchergemeinde. Lag es an der Neuen Musik, am Instrument oder dass parallel der Zitherguru Glasl an der Musikhochschule ein Konzert gab?<br><\/p>\n\n\n\n<p>Das Konzert begann mit \u201eSenkblei\u201c f\u00fcr alle drei Spieler des auch als Komponisten wirkenden Leopold Hurt, dessen beide Eintr\u00e4ge aus \u201eLogbuch\u201c, von ihm selbst und Martin Mallaun solistisch gespielt, die weiteren St\u00fccke des Abends einrahmten. Die Titel liessen eine nautische Wende bei dem Oberpf\u00e4lzer aus Hamburg vermuten. Tats\u00e4chlich lotete er im Trio die Tiefen der riesigen Basszither, deren Modulationen von Naturt\u00f6nen auf den l\u00e4ngsten Saiten aus, auf welche die beiden anderen Partner pr\u00e4zis mit kurzen Einw\u00fcrfen reagierten, sich so ungewohnte Kl\u00e4nge auft\u00fcrmten. Genauso klar, in ihrer Materialbeschr\u00e4nkung karg, aber vorw\u00e4rts dr\u00e4ngend wie widerborstig-mikrotonal die beiden Solo-Logbucheintr\u00e4ge.<br><\/p>\n\n\n\n<p>In der Mitte des Abends stand das Trio solitudine vaga der jungen Tirolerin Manuela Kerer. Sehr vielgestaltig, brilliant in den Effekten, wirkte es gewollt oder unbeabsichtigt zu zerfahren, lockte es nicht in seiner Schrundigkeit, die gerne noch extremer h\u00e4tte ausfallen d\u00fcrfen. Dagegen wirkte das Trio AN\/MARIEN\/DACHT des jungen M\u00fcnchners Johannes Schachtner kristallin in seiner Anlage von drei unabh\u00e4ngig \u00fcbereinander gespielten alten Marienliedern, die Mittelstimme um die Schwebung einer Natursept zu tief gelegt. So irrlichterte das Ohr fasziniert zwischen dem Gesamteindruck und der Wahrnehmung der Einzelstimmen. Die Beiden werden mit Kammeropern auf dem elften A\u2022DEvantgarde-Festival am 11. und 12. Juni in der Reaktorhalle zeigen, wie sie gr\u00f6ssere B\u00f6gen b\u00e4ndigen k\u00f6nnen.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Bevor mit Musik der erfolgreichen Komponistin Helga Pogatschar das Konzert zu Ende ging, war ihr Solo Moonwalker II mit Zuspielung von Reinhilde Gamper traumsch\u00f6n gespielt als zweites St\u00fcck zu h\u00f6ren. Man fand sich in einer skurril neu klingenden Welt zwischen \u201eDer Mond ist aufgegangen\u201c und heulenden Werw\u00f6lfen wieder, Mensch und Monster im Gesang an den treuen Begleiter vereint. Das Trio underground surround mit Interview-Zuspielungen, was und wie denn Anton Karas&#8216; Musik zum Orson-Welles-Film \u201eDer Dritte Mann\u201c so sei, mit viel Humor und klitzekleinen L\u00e4ngen zwischen den Interviewironien, stimmte auf eine kurzweilige Heimfahrt ein. So wollte man mit einigen Besuchern noch ein Bier in der Messestadt zischen, leider hatte nur noch die Hotelbar um die Ecke einladend ge\u00f6ffnet, was aber gar nicht zum Konzerteindruck passen wollte, war das Alpenpanorma auch nicht mehr zu sehen. Es blieb nur die Alternative \u201eFraunhofer\u201c in der Isarvorstadt \u2013 immerhin bringt die U-Bahn einen dort direkt hin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leopold Hurt aus Hamburg\/Regensburg, Reinhilde Gamper aus S\u00fcdtirol und Martin Mallaun aus St. Johann in Tirol als Zithertrio \u201eSenkblei \u2013 Neue Musik f\u00fcr drei Zithern\u201c in der Reihe mai.musik.messestadt im Kulturzentrum-Messestadt als Gastspiel von&nbsp;mittwochs im Giesinger Bahnhof Alle Wege f\u00fchren in M\u00fcnchen in die Innenstadt, der Personennahverkehr ist f\u00fcr seine Fixierung auf das Zentrum ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigt. 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