{"id":58,"date":"2011-01-28T14:06:00","date_gmt":"2011-01-28T14:06:00","guid":{"rendered":"https:\/\/strauchcomposer.de\/?p=58"},"modified":"2022-02-01T15:07:51","modified_gmt":"2022-02-01T15:07:51","slug":"bin-ich-uwe-boll","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/strauchcomposer.de\/index.php\/2011\/01\/28\/bin-ich-uwe-boll\/","title":{"rendered":"Bin ich Uwe Boll?"},"content":{"rendered":"\n<p>Wer,&nbsp;wie, was soll ich sein? Bis vor einigen Wochen war mir Uwe Boll noch&nbsp;kein Begriff. Nur von einer grausigen 9\/11-Kom\u00f6die, \u201ePostal\u201c,&nbsp;hatte ich schon mal geh\u00f6rt, ohne Genaueres davon zu wissen. Uwe Boll&nbsp;ist ein deutscher Filmregiesseur, der bereits zu Lebzeiten mit der&nbsp;\u201eGoldenen Himbeere f\u00fcr das Lebenswerk\u201c ausgezeichnet worden ist,&nbsp;eine Art Anti-Oscar f\u00fcr die schlechtesten Filmproduktionen eines&nbsp;Jahres.&nbsp;Boll fiel bis vor einigen vor allem durch Produktionen&nbsp;auf, die so gnadenlos wenig an den Filmkassen einspielten, dass von&nbsp;den mittleren zweistelligen Millioneninvestitionen nur magere untere&nbsp;einstellige Millionenbetr\u00e4ge wieder hereinkamen. Mancher Investor&nbsp;nutzte dies als 100%-Steuerabschreibung seiner Verluste, womit er&nbsp;indirekt mit Bolls Verlustwerk wieder Gewinn machen konnte.&nbsp;Inzwischen ist dieses Modell wohl nur noch sehr eingeschr\u00e4nkt&nbsp;durchf\u00fchrbar, so dass Boll-Filme zum Teil nur als DVD erh\u00e4ltlich&nbsp;sind. Immerhin scheint dieses Gesch\u00e4ft des unteren Trash-Geschmacks&nbsp;so viel Absatz zu erwirtschaften, dass Boll j\u00e4hrlich zwei, drei&nbsp;Filme zu produzieren vermag. Ausserdem machte Boll auf sich&nbsp;aufmerksam, da er seine Kritiker zum Boxkampf einlud und bisher immer&nbsp;im Ring besiegen konnte.&nbsp;Die&nbsp;Kritik&nbsp;selbst fand bisher keinen Geschmack an seinen Produkten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie&nbsp;die sind? Es werden Reizthemen wie 9\/11, Holocaust, Zweiter Weltkrieg&nbsp;in einem sehr eigenartigen Trashhumor verarbeitet, mit einemSchwerpunkt auf m\u00f6glichst direkten, realistischer Darstellung derschlimmsten menschlichen Verbrechen. Bisher scheint dies seinen&nbsp;abstrusen H\u00f6hepunkt in \u201eAuschwitz\u201c erreicht zu haben, wobei man&nbsp;Alle Grausamkeiten der Judenvernichtung 1:1 wiedergegeben vorfindet,&nbsp;wie Goldz\u00e4hneausbrechen, Brennofeneinfuhr, Erstickungstod, etc. Das&nbsp;Schauspiel dazu ist gotterb\u00e4rmlich schlecht, genauso die&nbsp;gesprochenen Texte. Die Klischees, welche einzelnen&nbsp;Bev\u00f6lkerungsgruppen wie Juden, Afroamerikanern, orientalischen&nbsp;Migranten zugeschrieben werden, sind gnadenlos eingehalten,&nbsp;\u00fcberzeichnet, ironiefrei. Es mangelt also Bolls Darstellungen&nbsp;insgesamt an positiver, k\u00fcnstlerischer Distanz, Anteilnahme. In&nbsp;einer Szene aus Postal z.B. unterhalten sich zwei&nbsp;9\/11-Flugzeugentf\u00fchrer wieviel Jungfrauen Bin Laden jedem einzelnen&nbsp;nun versprochen habe. Wenn man weiss, dass die Entf\u00fchrerFachhochschulabsolventen gewesen sind, irritiert, ver\u00e4rgert dieser&nbsp;\u201eStefan&amp;Erkan\u201c-Dialog immens, der die Entf\u00fchrer als mehr als&nbsp;dumm darstellt, rein \u201eschwanzgesteuert\u201c sozusagen. Ein besonderer&nbsp;Knaller sollen zudem in jenem Film \u00fcber den Haufen gefahrene,&nbsp;geschossene, geflogene vollkommen unbeteiligte Menschen sein, deren&nbsp;K\u00f6rperteile dann von den Protagonisten mit schr\u00e4gem Blick dem&nbsp;eigenen Hund zum Dessert gereicht werden. Und so weiter, und so fort.<\/p>\n\n\n\n<p>Im&nbsp;<a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20150711171134\/http:\/\/blogs.nmz.de\/badblog\/2011\/01\/08\/offener-brief-an-katharina-wagner\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>Badblog of Musick<\/strong><\/a>&nbsp;wurde nun Boll von unserem&nbsp;<em>agent provocateur<\/em>&nbsp;Eggert listig als L\u00f6sung der neuen Ringregie ins Feld gef\u00fchrt.&nbsp;Dieser direkte, repektlose, konventionsfreie Naturalismus Bolls w\u00e4re&nbsp;tats\u00e4chlich die absolut un\u00fcbertreffbare Fortf\u00fchrung des fast&nbsp;filmischen B\u00fchnenrealismus von den Anf\u00e4ngen der Bayreuther&nbsp;Festspiele bis in die vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Das&nbsp;machte mich erstmals mit Boll bekannter.&nbsp;Besondere&nbsp;Irritation und Nachdenklichkeit l\u00f6sten folgende seiner Filmtitel&nbsp;aus: \u201eBarschel ? Mord in Genf?\u201c und \u201eMax Schmeling \u2013 Eine&nbsp;deutsche Legende\u201c. Wie der Zufall so spielt, gibt es von mir wie&nbsp;die Faust Schmelings auf mein Auge \u2013 oder doch nur die Bolls \u2013&nbsp;zwei Musiktheater von mir, die die gleichen Menschen und Themen zum&nbsp;Inhalt haben: \u201eUwe&amp;Elisabeth\u201c (2001) sowie \u201eJoe&amp;Max\u201c&nbsp;(2005). Wenn man nun von Bolls k\u00fcnstlerischer Unf\u00e4higkeit \u00fcberzeugt&nbsp;ist, wie mir das Anschauen von \u201ePostal\u201c und etlichen Ausschnitten&nbsp;aus seinen Filmen bisher leider nahelegte, man dann wieder das&nbsp;finanzielle Genie in ihm sieht, wird es mir ganz schauerlich im&nbsp;\u00dcberdenken gewisser \u00c4hnlichkeiten. Ein Finanzgenie bin ich wahrlich&nbsp;nicht, was sich allein am kommerziellen Nicht-Erfolg dieser Opern und&nbsp;an meinem bisher nicht vorhandenen Weitervermarktungstalent ablesen&nbsp;l\u00e4sst. Dennoch sind genau die beiden oben genannten Musiktheater&nbsp;Eigenproduktionen wie die meisten Bollfilme. Ist das die einzige&nbsp;Koinzidenz?<\/p>\n\n\n\n<p>Neue&nbsp;Musik,&nbsp;die ich weitestgehend komponiere, aus der kommend ich mich&nbsp;sehe, sucht ja immer per definitionem nach neuen Darstellungsformen,&nbsp;ungew\u00f6hnlichen Klang- und Sichtweisen. Sieht man den fratzenhaften&nbsp;Hyperrealismus Bolls, k\u00f6nnte er im Feld der Neuen Musik als&nbsp;Meta-Ladsilav-Kupkovic, Anti-Arvo-P\u00e4rt, Hyper-Krzystof-Penderecki&nbsp;missverstanden werden, wenn man die Verwendung tonaler Musik wieMuster und deren \u00dcberzeichnung als musikalischen Realismus begreift.&nbsp;Das ist insofern einfach m\u00f6glich, da die Lebensrealit\u00e4t der meisten&nbsp;Menschen der n\u00f6rdlichen Hemisph\u00e4re \u2013 ausser China \u2013 die tonale&nbsp;Musik und ihre einfachsten Formen, wie die des Songsschemas, ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Stehe&nbsp;ich nun in Bollverdacht allein wegen der Themen der beiden&nbsp;Musiktheater? \u201eJoe&amp;Max\u201c ist zugegebenermassen tats\u00e4chlich&nbsp;ein St\u00fcck, welches mit der naturalistischen Darstellung eines&nbsp;Boxkampfes beginnt, oft die Perspektive eines Dokudramas einnimmt,&nbsp;wenn man den jungen Joe Louis auf den n\u00e4chtlichen Strassen Detroits&nbsp;zu folgen glaubt oder der Manager Schmelings telefoniert. Oder die&nbsp;Talkrunde in der vorvorletzten Szene zwischen Schmeling, Louis und&nbsp;einer Reporterin. Ohne jetzt zu sehr \u00fcber die Grundlagen des&nbsp;musikalische Materials zu sprechen, wie Silbenvertonungen der&nbsp;deutschen Boxbefehle f\u00fcr Schmelings Charakter, die englischen als&nbsp;Klanganalyse, eine temperiert modifizierte Obertonharmonik als Zeit-&nbsp;und Musikstilrutschbahn, versucht eine st\u00e4ndige Verfremdung den&nbsp;Boxrealismus zu durchbrechen. Die Boxer erhalten s\u00e4ngerische&nbsp;Doubles, allen anderen Rollen werden von einer Schauspielerin&nbsp;\u00fcbernommen, gesprochener Text in seiner Geschwindigkeit wird mit&nbsp;gesungenem Text in seiner L\u00e4nge verkn\u00fcpft, die schon eben erw\u00e4hnten&nbsp;Boxbefehle werden durch innere Monologe erweitert, etc.<\/p>\n\n\n\n<p>So&nbsp;merkw\u00fcrdig&nbsp;manche Szenerie dann wirkte, die Tonaussteuerung wegen Zeitmangel bei&nbsp;der Premiere noch zu laut war \u2013 was prompt Hauptkritikpunkt in zwei&nbsp;Bl\u00e4ttern wurde \u2013 und Boxdramen nicht zu M\u00fcnchens Hauptereignissen&nbsp;z\u00e4hlen (,wo hier nicht mal Fussballopern \u00fcber den FC Bayern richtig&nbsp;z\u00fcnden, was an einer gewissen Spassabstinenz des breiteren&nbsp;Opernpublikums zu liegen scheint, wenn es nicht nette Regiesp\u00e4sse im&nbsp;G\u00e4rtnerplatztheater sind), kam es im gesetzten Rahmen eines kleinen&nbsp;Theaters doch sehr gut an, blieb manchem bis heute alsmusiktheatralisches Event neben Biennale und Festspielen inErinnerung, so ich den Menschen wirklich glauben kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Boll&nbsp;w\u00e4hlte nun auch einen richtigen Boxer f\u00fcr sein Schmeling-Opus als&nbsp;Hauptdarsteller, der dann auch noch richtig spielen und sprechen&nbsp;darf: Henry Maske. Im besten Respekt vor dessen k\u00e4mpferischen&nbsp;Erfolgen und seiner echten Verehrung f\u00fcr Max Schmeling \u2013 das was&nbsp;ich von dem Film sah, ist h\u00f6lzern und \u00fcberbem\u00fcht in seinem&nbsp;Naturalismus, dem Regiesseure immer wieder auf den Leim gehen, wenn&nbsp;sie Mittel der amerikanischen Filmindustrie einsetzen, was nat\u00fcrlich&nbsp;gerne auch all unseren kleinen Emmerichepigonen der M\u00fcnchener,&nbsp;Babelsberger und Ludwigsburger Akademien unterl\u00e4uft, wenn gewisse&nbsp;Mittel des Films nicht eine Distanz zur Vorlage schaffen, die eine&nbsp;eigene k\u00fcnstlerische Sichtweise er\u00f6ffnen. Am liebsten wird dann im&nbsp;Drehbuch leicht ahistorisch die Handlung gekittet, darf das&nbsp;Liebespaar nicht fehlen, ein paar Spezialeffekte, die keiner braucht&nbsp;oder in effektlosen wie musikfreien Filmen die Botschaft&nbsp;brutalstm\u00f6glich auf den Zuseher losgelassen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUwe&amp;Elisabeth\u201c&nbsp;w\u00e4re nun vor Boll selbst garantiert durchgefallen, da auch hier nur&nbsp;wenig Recherche und Dokudrama eingesetzt wurde. Im Gegenteil: es&nbsp;dreht sich nur um die unterschiedlichen Wege des Todes von Uwe&nbsp;Barschel und Elisabeth von \u00d6sterreich alias Sisi am Ende ihres Leben&nbsp;im gleichen Hotel \u201eBeau Rivage\u201c: er starb im Hotel und endete im&nbsp;Wasser, sie starb beim Promenieren durch Messerstich am Wasser, brach&nbsp;auf einem Schiff zusammen, starb im Hotelbett. Die wenigen&nbsp;Gegenst\u00e4nde, wie seine Tabletten oder sein Aktenkoffer, seineausgezogenen Schuhe, ihre geliebten Alleenkastanien vor dem Hotel,&nbsp;ihre Haare, die Mordwaffe, werden zum Zentrum der Kl\u00e4nge einermusikalisch-szenischen Poetologie, in der die Grenzen zwischen&nbsp;Orchester und B\u00fchne aufgel\u00f6st werden sollten, was bei der&nbsp;Urauff\u00fchrung nicht ganz gelang. Ein Naturalismus der Klangmittel in&nbsp;kurzen poetischen Bildern hin zum tragischen der Tod der Beiden,&nbsp;deren Ende immer noch durch das \u201eBeau Rivage\u201c geistert, als ob&nbsp;die Erd- und Wassergeister sich noch immer um die Todesarten&nbsp;streiten, wie man sich um Barschels Ende noch hin und wieder den Kopf&nbsp;zerbricht. Das St\u00fcck dauert knapp zwanzig Minuten, eine Petitesse,&nbsp;die aber \u00fcber das Mysterium der Beiden mehr aussagt, als alle&nbsp;aufgebauschten Dokudramen, die sich mitunter noch eine Kritik am&nbsp;deutschen Filmsystem aufhalsen, so berechtigt diese damals und heute&nbsp;immer noch sein mag.<\/p>\n\n\n\n<p>So&nbsp;bin&nbsp;und bleibe ich Alexander Strauch, der zwar abseitig ab und an&nbsp;Musiktheater selbst kreiert ohne m\u00e4chtiges Haus im Hintergrund, mit&nbsp;den Themen auch nah am Kitsch entlang operiert, krude Perspektivenabseits des heutigen Musiktheaters des Raunens und der&nbsp;B\u00fchnenentfernung sucht. Dennoch ist mir eine Materialdurchdringung&nbsp;wichtig, benutze lieber Trashelektronik anstatt der neuesten&nbsp;MAX-XYZ-Applikation, was mich manchem Wichtigen durchaus als unseri\u00f6s&nbsp;erscheinen l\u00e4sst, wagte mit \u201eMorbus Teutonicus\u201c eine&nbsp;Hitlerfarce, die bisher ungel\u00f6st und beendet in meiner Schublade&nbsp;d\u00e4mmert.<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich&nbsp;sind mir die Tiraden Bolls gegen das deutsche Filmestablishment sehr&nbsp;sympathisch, v.a. seine Dennoch-Unabh\u00e4ngigkeit, so abseitig sie sein&nbsp;mag. Fraglich ist allerdings, wie k\u00fchl und menschenvernichtend seine&nbsp;Darstellungen sind, dies auch noch ultimativer Humor sein mag. Das&nbsp;erinnert so an manche t\u00fcrkische Filmproduktion, die mit Spass&nbsp;US-Soldaten metzelt, Boll-artig dabei vorgeht. Dieses k\u00fcnstlerischeUnverm\u00f6gen l\u00e4sst dann leider jeden Ruf Bolls gegen das \u201eSystem\u201c&nbsp;ungeh\u00f6rt verhallen. Manchmal erscheint auch mir mein Wettern im o.g.Badblog of Musick als halllos, best\u00e4tigt das manche Selbstzweifel an&nbsp;Relevanz, die anonyme Kommentierer aus dem Neue-Musik-Establishment&nbsp;dann bei mir hinterlassen, wenn sie die \u201eAngekommenen\u201c feiert und&nbsp;den Rest, gerade die nicht nur still freundlich auf Empf\u00e4ngen mit&nbsp;dem Kopf nicken, sondern das Maul ab und zu kommentierend oder ich&nbsp;hier jetzt bloggend zu weit aufreissen, die \u201eNicht-Angekommenen\u201cder kompositorischen Unf\u00e4higkeit zeiht. So sieht man sich selbst&nbsp;pl\u00f6tzlich kurzzeitig als Neue-Musik-Widerpart Uwe Bolls an.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn&nbsp;man&nbsp;die Schubladen der Hochkultur, sei es die des Films oder die der Oper&nbsp;und der Neuen Musik, nicht genau bedient oder diese Unf\u00e4higkeit mit&nbsp;entsprechend genialischen Wort-, Symposiums- oder Promotionsget\u00f6se&nbsp;kompensiert, nicht oder etwas ungl\u00fccklich seine Mentoren f\u00fcr sich&nbsp;einnimmt, wird das k\u00fcnstlerische Leben sehr utopisch. Allerdings&nbsp;sollte gerade die Neue Musik, die sich der \u201eKritischen Theorie\u201cverwurzelt sieht, die Szene sich st\u00e4ndig neu hinterfragen und nicht&nbsp;in den ewig gleichen Statements der Diskussionsrunden, Programmhefte,&nbsp;St\u00fccktitel und F\u00f6rderm\u00fchlen selbst best\u00e4tigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber&nbsp;die&nbsp;Neue Musik, wie sie sich weniger in den Komponisten denn den&nbsp;Institutionen sieht, geht nun den gleichen Weg wie Bayreuth: mankonsolidiert sich und seine Einrichtungen, wie es Cosima mit denBayreuther Festspielen nach Wagners Tod gelang, was aber Vieles auchunlebendig zementierte, wie die heftigen Reaktionen auf Wielands&nbsp;Neubayreuth oder Wolfgangs Besetzungen zeigte, die allerdings in denletzten Jahren auf der Regieseite auch was leicht bem\u00fcht neuartiges&nbsp;bekamen, mehr an der Oberfl\u00e4che als im Inhaltlichen. Und so oder so\u00e4hnlich gerinnt die Neue Musik-Szene, nur dass sich die Frage nach&nbsp;der eigenen Oberfl\u00e4chlichkeit jetzt bereits stellt, nicht erst&nbsp;Jahrzehnte nach dem Tod eines solit\u00e4ren Meisters: Das ist ihre&nbsp;grosse Chance der Selbsterneuerung, dass kann aber auch zu ihrem&nbsp;schnellen Ende, aus banalen finanziellen Gr\u00fcnden f\u00fchren, da eben&nbsp;die solit\u00e4re Gestalt wie in Bayreuth fehlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich&nbsp;muss man um die Finanzen k\u00e4mpfen, an die Wahrhaftigkeit der&nbsp;Schreiber, der Programmierer und der Kritik glauben und appellieren.Dennoch muss das Inhaltliche erweitert werden, auf unterschiedlichstesehr individuelle L\u00f6sungen der Komponisten fokussiert werden als&nbsp;selbst eine kanonische Erwartungshaltung aufzubauen und selbst zu&nbsp;reproduzieren. Sonst lieber doch das Streichkonzert! Nach dem Dahinsterben der Altavantgardisten, dem&nbsp;Fehlen ebenb\u00fcrtiger schulbildender Querk\u00f6pfe, Querst\u00e4ndigkeit&nbsp;heute viel einfacher und \u00fcblicher ist als zur Gr\u00fcnderzeit der&nbsp;g\u00e4ngigen Festivals ist mit Superprovokateuren im Klanglichen kaum&nbsp;noch zu rechnen, laut und leise, hoch und tief, streng und zuf\u00e4llig: Alles schon da.&nbsp;Es geht um die Hebung des Erbes, auch um&nbsp;Konsolidierung des Materials, was nicht gerade nach st\u00fcrmischen&nbsp;Zeiten klingt.<br>Dennoch&nbsp;k\u00f6nnte eine ungemein gr\u00f6ssere Betonung der unglaublichen, heutigen&nbsp;breiten Individualit\u00e4t vieler Komponisten zu einer neuenInhaltlichkeit oder Wahrhaftigkeit f\u00fchren, einer ganz anderen Art&nbsp;eines Sturm und Drang. Da ist Naturalismus und Realismus neu gefragt,&nbsp;denkt man an die masslosen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und&nbsp;besonders \u00f6kologischen Probleme, h\u00f6chst bekannt, ungel\u00f6ster in&nbsp;einem Wurf denn je. So wie es daf\u00fcr den grossen Wurf nicht mehr&nbsp;gibt, wird es ihn im Sinne des Originalgenies Gott sei Dank immer&nbsp;weniger geben. Gemeinschaftliche L\u00f6sungen sind gefragt, gerade auch&nbsp;durch die umweltbelastenden Neuen Medien vereinfachter denn je&nbsp;m\u00f6glich. So k\u00f6nnte Musik aller Art zuk\u00fcnftig weniger im Sinne&nbsp;einer banalen \u201esozialen Skulptur\u201c denn viel mehr einer ewigen&nbsp;Dombauh\u00fctte zustande kommen. Einerseits also noch mehr Mut zu nicht&nbsp;immer erwartungsgrechter Individualit\u00e4t bei den Machern, mehr Lust&nbsp;nach einzelautorschaftaufl\u00f6sender Gemeinschaft bei den Sch\u00f6pfern. Und&nbsp;hoffentlich bleibt Boll das Finanzgenie Boll und Strauch der Komponist Strauch! Euer Alexander Strauch&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer,&nbsp;wie, was soll ich sein? Bis vor einigen Wochen war mir Uwe Boll noch&nbsp;kein Begriff. Nur von einer grausigen 9\/11-Kom\u00f6die, \u201ePostal\u201c,&nbsp;hatte ich schon mal geh\u00f6rt, ohne Genaueres davon zu wissen. 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