{"id":54,"date":"2011-01-14T13:58:00","date_gmt":"2011-01-14T13:58:00","guid":{"rendered":"https:\/\/strauchcomposer.de\/?p=54"},"modified":"2022-02-01T15:08:16","modified_gmt":"2022-02-01T15:08:16","slug":"jetzt-ist-es-soweit-und-identitaetsdebatte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/strauchcomposer.de\/index.php\/2011\/01\/14\/jetzt-ist-es-soweit-und-identitaetsdebatte\/","title":{"rendered":"Jetzt ist es soweit und Identit\u00e4tsdebatte"},"content":{"rendered":"\n<p>&#8222;Jetzt ist es soweit&#8220;, manchmal hei\u00dft es auch &#8222;jetzt bin ich soweit&#8220;! Dieser \u00fcbliche Seufzer, der einem entf\u00e4hrt, wenn die ersten Schritte zum eigenen Blog gelungen sind. Man kommt sich unglaublich gl\u00fccklich vor, als h\u00e4tte man was wirklich Neues erfunden, wie eine neue Kompositionstechnik. Leider verh\u00e4lt es sich mit beidem etwas anders: unendlich viele Menschen haben diesen Sto\u00dfseufzer bereits vor mir abgelassen, nicht ganz so viele, dennoch immerhin ca. 10.000 europ\u00e4ische KomponistInnen der immer noch sog. &#8222;Neuen Musik&#8220; glauben mit jedem St\u00fcck doch vielleicht noch etwas umwerfend Neues erschaffen zu haben. Wieviel indische und chinesische KomponistInnen der &#8222;Neuen Musik&#8220; gibt es heute schon? Es wird einem ganz Angst und Bange. Jene KollegInnen st\u00fcrzen sich seit zehn, zwanzig Jahren mit einer Freude in die &#8222;Neue Musik&#8220;, an der wir Europ\u00e4er und auch die wenigen Nordamerikaner immer mehr zweifeln. \u00dcberhaupt verzweifeln wir sehr gerne, DIE Hauptaufgabe der &#8222;Neuen Musik&#8220;. Wir bejammern die Konkurrenz, das fehlende Publikum, das Unverst\u00e4ndnis von Kollegen und Kritik, drohende Fusionen, Schliessungen und Mittelk\u00fcrzungen, allseits ein langgezogenes &#8222;Habe aaaaach&#8230;&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>So kommt mir die neueste Kultur-Ignoranz-Meldung ganz gelegen: die Staatsministerin Maria B\u00f6hmer ruft einen Bundesbeirat Integration ins Leben. Dabei vergass sie allerdings deutsche Vertreter der kulturellen Spitzenverb\u00e4nde miteinzubeziehen, wie der&nbsp;<a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20201129185226\/http:\/\/www.nmz.de\/kiz\/nachrichten\/zimmermann-kulturloser-bundesbeirat-fuer-integration-ist-tief-bedauerlich\">Deutsche Kulturrat laut NMZ<\/a>bem\u00e4kelt. Daf\u00fcr fleissig Vertreter der Religionsgemeinschaften, der Wohlfahrt, der Bildung, der Wissenschaft und des Sports. Es soll v.a. \u00fcber &#8222;Spracherwerb, Bildung und Arbeitsmarkt&#8220; verhandelt werden. Als grosses Nebenfeld sei der Beirat eine Plattform, so die Ministerin, f\u00fcr &#8222;Diskussionen \u00fcber Zuwanderung sowie f\u00fcr eine Identit\u00e4tsdebatte&#8220;.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wor\u00fcber definiert sich nun ein zugewanderter Mensch besonders? War da nicht was mit &#8222;Kultur&#8220;? Die eingeladenen Spitzenverb\u00e4nde der Zuwanderer, v.a. aus S\u00fcd- und Osteuropa sowie dem Nahen Osten, verstehen sich einerseits gewiss als landsmannschaftliche Verb\u00e4nde. Dennoch sind sie vorwiegend Kulturvereine, in denen die Zuwanderer ihre kulturellen Traditionen von besonderen Festen bis zu Literatur und Musik pflegen. Warum sitzen ihnen nun keine deutschen Kulturvertreter gegen\u00fcber? Ist es ein Zust\u00e4ndigkeitsproblem des Bundes? So d\u00fcrften auch keine Vertreter der Landeshoheitsgebiete wie Bildung, Wissenschaft und Wohlfahrt mit am Tisch sitzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das einzige was daf\u00fcr sprechen k\u00f6nnte: die Kultur ist kein gesellschaftliches Konfliktfeld zwischen Deutschen und Zuwanderern. Gewiss geht es im Sport schon mal r\u00fcder zur Sache, wird fremdenfeindlich am Arbeitsplatz und in der Schule gemobbt. Was ist dann aber mit der Wissenschaft? Dort arbeiten Menschen unterschiedlichster Herkunft wohl friedlich zusammen, abgesehen von \u00fcblichen zwischenmenschlichen Chemieunf\u00e4llen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nun, so darf die Kultur keinenfalls fehlen! Mitunter ist Deutschland ein Kultur-Einwanderungsland, man denke an die Asylpolitik mit der Aufnahme verfolgter Intellektueller, man denke an das hiesige traditionelle Musikleben, welches immer schon Zuwanderer anzog. So ist jeder Opernchor, jedes Kulturorchester ein Beispiel f\u00fcr allt\u00e4glich gelungene Integration, einfach aufgrund der Kulturberufe und ihrer Anforderungen, die die Menschen doch zusammenbringen. Mag es hier auch Diskriminierung von Zuwanderern geben, schimpfen manche \u00fcber eine &#8222;Schwemme osteurop\u00e4ischer Musiker&#8220;. Gerade aber wegen der gelungenen Beispiele darf man die Kultur nicht aussen vor lassen. Sie k\u00f6nnte f\u00fcr heiklere Bereiche Vorbild sein. So aber verschliesst sich die Debatte des Bundesrates f\u00fcr Integration, die gesellschaftlich umfassend sein will. Und erfindet das Rad f\u00fcr sich so ganz neu, wie meine lieben KollegInnen ihre neue Schreibtechniken und ich mein eigenes&nbsp;&#8222;jetzt ist es soweit&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcnsche mir doch ein paar Leser, das h\u00e4tte ich ganz vergessen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Kommentare und Kontroversen,<\/p>\n\n\n\n<p>Euer Alexander Strauch&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Jetzt ist es soweit&#8220;, manchmal hei\u00dft es auch &#8222;jetzt bin ich soweit&#8220;! Dieser \u00fcbliche Seufzer, der einem entf\u00e4hrt, wenn die ersten Schritte zum eigenen Blog gelungen sind. Man kommt sich unglaublich gl\u00fccklich vor, als h\u00e4tte man was wirklich Neues erfunden, wie eine neue Kompositionstechnik. 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